WILLKOMMEN IM MATRIVERSUM

IMMER WIEDER REINSCHAUEN ZAHLT SICH AUS

DAS MATRIVERSUM FÜR PRODUKTE UND INFOS RUND UM MATRIARCHALE WERTE!

Ihr Warenkorb

Ihr Warenkorb ist derzeit leer.

Die Frau im Licht (3/3) – Wenn wir nicht ins Bild passen

Die Frau im Licht (3/3) – Wenn wir nicht ins Bild passen

Falls du die beiden ersten Teile meines Blogs gelesen hast, kennst du Auralina und ihre lichtvollen Schwestern vom ESC bestimmt schon - Spiegel für die Vorstellungen unserer Gesellschaft darüber, wie Weiblichkeit auszusehen hat.

Und wir haben gesehen wie Medien, Schönheitsideale und KI diese Bilder gegenseitig verstärken. Aber heute geht es nicht um Auralina – denn sorry - aber die meisten von uns sind keine lichtvollen Prinzessinnen.

Wir sind älter, lauter, runder, kantiger, bunter, erschöpfter, mutiger, widersprüchlicher oder ganz anders. Und vielleicht liegt darin genau unsere Freiheit. Denn irgendwann stellte sich mir beim Schreiben dieses Blogs eine viel spannendere Frage.

Was machen wir jetzt eigentlich mit all diesen Erkenntnissen?

Es ist ja hilfreich zu verstehen, dass viele Schönheitsideale nicht zufällig entstanden sind, es ist entlastend zu erkennen, das Künstliche Intelligenz „nur“ unsere innere Bilderwelt reproduziert. Doch Wissen allein macht uns noch nicht frei. Es verhindert nicht den kritischen Blick in den Spiegel und es nimmt nicht automatisch die Unsicherheit weg, wenn wir „vermeintlich“ nicht entsprechen. Es heilt auch keine Verletzungen, die viele von uns gesammelt haben, weil wir irgendwann gelernt haben, dass wir zu viel oder auch zu wenig von irgendetwas sind. Wer hat es nicht im Ohr?

Zu laut, zu dick, zu klein, zu alt, zu wild, zu ernst, zu unbequem... die meisten Frauen tragen Geschichten dieser Art in sich. Und das hat einen Grund. Wir wurden einfach nicht außerhalb dieser Bilderwelt erzogen sondern wir wurden mit ihr groß.

Unsere Mütter und Väter wurden von denselben Vorstellungen geprägt. Unsere Lehrerinnen und Lehrer, unsere Freunde und Freundinnen, die Werbung, die Filme, die sozialen Medien – das hat uns tief geprägt.

Die wenigsten Menschen wollten uns bewusst verletzen, aber sie haben weitergegeben, was sie selbst gelernt hatten.

Manchmal ist der erste Schritt zur Heilung die Erkenntnis, dass wir nicht persönlich versagt haben, sondern in einer Kultur leben, die bestimmte Menschen bevorzugt und andere weniger sichtbar macht.

Und es zeigt uns, dass mittlerweile wir selbst unsere schärfsten Kritiker sind, da wir selbst in dieser Struktur gefangen sind. Wir bewerten andere Frauen, wir vergleichen uns, wir bewundern Bilder, die uns gleichzeitig so unter Druck setzen. Nicht weil wir doof sind, sondern weil wir einfach darin trainiert wurden. Freiheit beginnt daher damit, die eigene innere Richterin kennenzulernen. Jene Stimme, die uns zuflüstert, dass wir schöner, jünger, schlanker, angepasster oder perfekter sein müssten.

Und manchmal beginnt Freiheit damit, genau dieser inneren Stimme freundlich, aber bestimmt zu widersprechen. Ein weiterer Schritt besteht darin, bewusst andere Bilder in unser Leben einzuladen. Wenn wir täglich nur Frauen sehen, die einem einzigen Schönheitsideal entsprechen, beginnt unser Gehirn irgendwann zu glauben, dass dies die Norm sei.

Doch die Welt ist voller anderer Frauen.

Frauen mit Falten, mit grauen Haaren, mit Behinderungen, mit dicken Bäuchen, mit Glatzen, mit Narben... Frauen, die laut lachen und sich nicht verstecken – auch oder genau weil sie dem Ideal nicht entsprechen. Ein Hoch auf alle bunten Frauen, die mutig sind, sich als Kontra-Auralina-Influencerinnen auf dieses Parkett zu wagen. 

Denn je mehr Vielfalt wir sehen, desto größer wird unser inneres Bildarchiv und desto kleiner wird die Macht von Auralina.

Deshalb können Communities, die Diversität sichtbar machen, so wertvoll sein. Bodypositive Gruppen, feministische Netzwerke, Frauenkreise, Künstlerinnenkollektive oder einfach Freundinnen, die sich gegenseitig nicht nach ihrem Aussehen bewerten. Sie schaffen neue Spiegel. Und darin entdecken wir, dass wir nicht falsch sind, nie falsch waren. Dass wir lediglich gelernt haben, uns durch einen sehr engen Rahmen zu betrachten.

Und vielleicht braucht es manchmal auch eine gesunde Portion Empörung oder Wut! Nicht gegen einzelne Frauen, nicht gegen ein Bild, nicht gegen Auralina... sondern gegen ein System, das uns jahrzehntelang erzählt hat, unser Wert läge vor allem in unserem Aussehen. Danke Scheiß-Patriarchat mit deinem Besitzanspruch auf Frauen!

Nein – wir sind keine Objekte, kein Besitz, kein Bild von Frau! Übrigens Bild von Frau.... was mich unglaublich nervt ist wie wir selbst unkritisch dieser Frauenbilder weitertragen. Die KI-Bilderwelt bringt Möglichkeiten aber auch Gefahren. Ich darf nicht davon ausgehen, dass KI neutrale Prompts divers interpretiert. NEIN – KI produziert schlanke, normschöne Lichtfrauen. Wir müssen explizit Vielfalt vorgeben, um nicht Auralina-Einheitsbrei zu ernten. DAS musst du wissen. 

Darum stelle dir die kritische Fragen: 

  • Welche Frauen mache ich sichtbar? 
  • Zeige ich nur die alte Weise, ewig junggebliebene Frau oder würde ich die Heilerin rund ums Feuer auch mit 120 Kilo abbilden?
  • Wage ich den kritischen Blick auf die perfekt, reproduzierte Bilderwelt meines eigenen Prompts und verändere ihn – auch wenn ich dafür vielleicht Unmut ernte?

Das sind keine Vorwürfe, es sind Fragen. Fragen, die ich mir selbst stelle. Denn jede Frau, die Inhalte veröffentlicht, entscheidet mit darüber, welche Bilder wir täglich sehen. Und jedes Bild erweitert oder verengt die Vielfalt.

Veränderung beginnt über Präsenz und Sichtbarkeit. Machen wir Frauen in ihrer Buntheit sichtbar.

Auralina muss nicht verschwinden, aber mit ihr sollen tausend andere Frauen auf gleicher Ebene stehen dürfen. Die Wilde, die Weise, die Dicke, die Dünne, Die Alte, die Tätowierte, die Behinderte, die Suchende, die Kämpferin, die Zweiflerin, die Künstlerin, die Solistin, die Mutter, die Oma, die Lautstarke, die Ruhige...

Ich werde nie wie Auralina aussehen, aber ehrlich? Mit meinen grauen Haaren, meinen alt gewordenen Kurven, meinen Lachfalten und meiner Präsenz, wäre ich vermutlich ohnedies keine erfolgreiche Lichtfrau. Und das ist gut so, denn die Welt (auch wenn sie es nicht immer weiß) braucht nicht noch eine Auralina. Sie braucht Frauen, die den Mut haben, sie selbst zu sein. Frauen, die Raum einnehmen, die älter werden. Frauen, die widersprechen. Frauen, die sich nicht länger entschuldigen dafür, dass sie in ihrer Erscheinung existieren.


Vorheriger Artikel