Ein Blumenstrauß ersetzt keine Gleichstellung.
Heute ist Muttertag. Blumen- und Pralinentag! Eh lieb. Und bevor jetzt jemand Schnappatmung bekommt... natürlich dürfen Kinder ihre Mütter feiern, natürlich ist Wertschätzung wichtig und Blumen schön.
Aber lass uns trotzdem mal laut aussprechen, wie absurd dieses gesellschaftliche Schauspiel manchmal ist, denn an 364 Tagen im Jahr gilt weibliche Fürsorge als selbstverständlich. Und dann der eine Tag mit Tulpen und Prosecco. Bravo!
Frauen tragen ganze Systeme – meistens gratis! Frauen organisieren Familien, pflegen Angehörige, hören zu, denken mit, merken sich Geburtstage, Arzttermine, Lieblingsessen, Krisenstimmungen und die Schuhgrößen aller Familienmitglieder zurück bis ins Mittelalter.
Und während Frauen diese emotionale und organisatorische Dauerarbeit leisten, arbeiten sie häufiger Teilzeit, verlieren Einkommen, Karrierechancen und Pensionen.
- Altersarmut ist weiblich
- Care-Arbeit ist weiblich
- Emotionale Zuständigkeit ist weiblich
- Überforderung sowieso – alles nix Neues!
Aber Hauptsache am Muttertag gibt’s ein Herz aus Schokolade.
Zusätzlich ist Muttertag ist oft ein emotionaler Hochrisikotag, deshalb kracht es an diesem Tag auch regelmäßig. Mütter sind verletzt, Kinder haben schlechtes Gewissen, irgendwer fühlt sich zu wenig gewürdigt, irgendwer zu wenig besucht, irgendwer zu wenig geliebt.
Und plötzlich hängt an einem Blumenstrauß die gesamte ungelöste Familiengeschichte.
Wir Mütter brauchen keinen Muttertagskitsch sondern endlich bessere Bedingungen. Denn ganz ehrlich? Eine Gesellschaft, die Frauen strukturell ausbrennen lässt, ihnen einmal jährlich Duftkerzen und Schokoherzen schenkt, betreibt keine Gleichstellung. Das ist Muttertags-Deko! Und vielleicht sollten wir nicht darüber reden, was wir der Mama zum Muttertag schenken sondern
- Warum ist Care-Arbeit noch immer hauptsächlich Frauensache?
- Warum gelten erschöpfte Frauen als normal?
- Warum funktionieren ganze Familien auf weiblicher Selbstaufgabe?
- Warum wird Frauen eingeredet, sie müssten das alles aus Liebe tun?
- Und warum wird jede Frau, die dabei irgendwann grantig wird, sofort als schwierig empfunden?
Am 3. Mai 2027 sollen Frauen streiken. Die Bewegung frauen*streiken ist wichtig, um das alles wirklich sichtbar zu machen. Darum frauen*streiken statt Sonnenblumenemoji liken!

Frauen brauchen keinen Muttertag sondern endlich mehr Zeit, mehr Geld, gerechte Aufteilung, gesellschaftliche Verantwortung, mehr Anerkennung, mehr Sichtbarkeit, mehr Solidarität...
Also ich pfeife auf den digitalen Muttertagsgruß mit Sonnenblumenemoji!